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Letzte Aktualisierung: 06.06.2015 siehe NEWS NEWS NEWS NEWS

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Hinweise zum Urheberrecht     COPYRIGHT © M. E. 2001 URBAR

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Die Geschichte des RoBoT beginnt  1931.

Heinz Kilfitt stellte 1931 nach fünf Jahren Entwicklungsarbeit seinen Prototyp einer Kleinbildkamera in Eigenregie fertig.

Nun ging er auf die Suche nach einem Geldgeber für sein ehrgeiziges Projekt; einer Kleinbildkamera mit Scheibenschlitzverschluß, den er bei einer Filmkamera abgeschaut hat,  und einem Format von 24x24 mm, welches dem Fotografen die Entscheidung nach Hoch- oder Querformat abnahm. Dieses
Format mit seinen unbestrittenen Vorteilen wird später noch eingehend beschrieben.

Firmen wie AGFA und auch Kodak sahen die Marktchancen des neuen Photoapparates mit einfachster Handhabung nicht und lehnten die Übernahme ab. Erst der Fabrikantensohn Hans-Heinrich Berning erkannte 1932 die Chance, sich nach abgeschlossenem Studium mit dem “ RoBoT ”, unternehmerisch zu betätigen.

Ausgestattet mit etwas Starkapital seines vermögenden Vaters Otto Berning, der eine Firma für Bekleidungszubehör besaß, und der Hilfe seines Onkels Hermann Berning, Inhaber der Firma GEOS in Mettmann, richtete Berning mit Kilfitt und dem Mechaniker Franz Hörth ein Konstruktionsbüro in Düsseldorf in der Scheibengasse ein.

Hier wurde der Prototyp von Kilfitt zur Serienreife entwickelt. Die Idee, einen Federwerkmotor zu verwenden, der den Film transportiert, den Verschluss spannt und das Zählwerk betätigt, stammt von Hans-Heinrich Berning. Dieser Federwerkmotor stellt das Herzstück der Kamera dar und machte den RoBoT als “Schnellschußkamera” berühmt.

Der RoBoT, diese Wort ist wohl wie auf den nebenstehenden Anzeigen von 1934 zu sehen, dem Wortstamm des RoBoTers entliehen, sollte von Anfang an einen hohen technischen Standard aufweisen. Eine Eigenproduktion war zu risikoreich und investitionsaufwendig. Berning ging auf die Suche und konnte die folgenden Firmen als Zulieferer für die einzelnen Bauteile gewinnen:

- Bei WMF in Geislingen a. d. Steige konnte nach langen Versuchen eine Legierung des nichtrostenden V2a Stahls gefunden werden, mit der sich das Gehäuse Tiefziehen ließ.

- Der Uhrwerkhersteller Baeuerle & Söhne in St. Georgen im Schwarzwald konnte für die Produktion des Federwerks gewonnen werden.

- Die Alfred Gauthier GmbH in Calmbach/Enz - Württemberg lieferte den Scheiben-Rotationsverschluß.

Nun da alle Weichen gestellt schienen, taten sich neue Schwierigkeiten auf. Die finanziellen Mittel gingen zur Neige und das ganze Unternehmen drohte zu scheitern. H.- H. Berning mußte finanzielle Unterstützung suchen. Durch die finanzielle Hilfe seines Vaters Otto Berning, Schwelm, damals Inhaber der Firma OBECO,

Otto Berning

und der Hilfe seines Onkels Herrmann Berning, Mettmann, damals Inhaber der Firma GEOS,

 Herrmann Berning

wurde 1933 die Firma Otto Berning & Co., Abteilung RoBoT - Schwelm mit Produktion in Düsseldorf gegründet. Die Herstellerangabe “Otto Berning & Co. Schwelm Westf.” ist auf jedem RoBoT I zu lesen. Erst 1938 vollzog man den Schritt zur rechtlichen Unabhängigkeit der bis dahin selbstständigen Abteilung RoBoT unter Leitung von Hans-Heinrich Berning und nannte sich nun “RoBoT Berning & Co. K.- G.”

Am 05. November 1936 wurde die “Rollfilmkamera” unter der Nr. DRP 638 853 patentiert.
Im gleichen Jahr am 16. Juni 1936, wurde auch in den USA ein Patent mit der
Nummer
2,044,434 auf Heinz Kilfitt ausgestellt. Zu sehen ist dieses Patent unter Seite 1, Seite 2, Seite 3 ,

Das Verwaltungsgebäude der Fa. Berning mit Haupteingang in Düsseldorf, Aachener Straße. Aufgenommen aus dem Wohnzimmer des Leiters der Lohnbuchhaltung, Gustav Stachelhaus, Aachener Str. 36.


                             

                                        Das Büro von Hans Heinrich Berning

                                       

 

Mit dem RoBoT I wurde eine technisch ausgereifte, äußerst kompakte und in vieler Hinsicht bedienungsfreundliche Kleinbild-Kamera für den Amateur verwirklicht. Ab Januar gestaltete der damalige Graphiker Bernings, C. Belzig die wohl ungewöhnlichste Anzeigenserie der Fotogeschichte in der der RoBoT schrittweise vorgestellt wurde. Diese Anzeigenserie wurde zu einem großen Erfolg. Bei der Leipziger Frühjahrsmesse, Foto Kino Optik, gingen eine große Anzahl von Bestellungen für den RoBoT ein, die jedoch nach unserem Wissenstand erst im Jahr 1935 ausgeführt werden konnten.

 Die Produktion des RoBoT II

Bei der Weltausstellung in Paris 1937 konnte dann den RoBoT sogar den “Grand Prix” erringen. Im Jahr 1939, also 5 Jahre nach der Vorstellung des RoBoT I, gelang der Firma Berning mit der Abteilung RoBoT der große Durchbruch auf dem Photomarkt. Der RoBoT II , seit 1937 in der Entwicklung,  wurde nach eingehenden Studien und Versuchen eingeführt. Für die konstruktive Arbeit am weitgehend neu gestalteten RoBoT II, zeichnete wiederum Heinz Kilfitt verantwortlich.

 Die RoBoT Qualitätssicherung

Nach dem Abschluß der Entwicklungen am RoBoT II, verließ jedoch Heinz Kilfitt das Unternehmen Berning aus uns nicht ganz bekannten Gründen. Zeitgleich wurde das Unternehmen in RoBoT Berning & Co, KG umbenannt. Heinz Kilfitt erwarb mit der Ablösung von Berning das kleine optische Werk NEDO-Optik in München. Hier und anschließend in Vaduz fertigte Kilfitt die heute noch in der ganzen Welt bekannten und geschätzten Objektive und Zubehörteile rund um die Photographie.

Das Konstruktionsbüro

Der RoBoT II hatte nun eine etwas abgerundetere Form. Sucher, Zählwerk und Auslösesperre steckten jetzt unter einer verchromten Haube. Dadurch erhielt die Kamera ein für die damalige Zeit modernes Aussehen. Das technische Konzept bliebt dem RoBoT I in den Grundzügen gleich. Der Rotorverschluß war überarbeitet und hatte eine größere Verschlußöffnung für die nun neu angebotenen Objektive von Schneider Kreuznach und Carl-Zeiss-Jena. Der beim RoBoT I vorhandene Gelb/Grünfilter mußte dadurch entfallen. Zusätzlich erhielt der RoBoT II einige Ausstattungsmerkmale, die das Arbeiten mit der Kamera weiter erleichterten bzw. vielseitiger machten. Die Filmkassetten wurden wesentlich überarbeitet, wodurch die Möglichkeit bestand, alle handelsüblichen Kleinbild-Tageslichtspulen zu verwenden. Ab sofort war man nicht mehr auf Meterware oder die wenigen Spezial RoBoT-Tageslichtpackungen angewiesen.

Ein Blitzsynchronkontakt für Vacuumblitze war jetzt vorhanden, an den z. B. der neue RoBoT Serienblitzer angeschlossen werden konnte. Der nun als Zubehör erhältliche elektromagnetische Fernauslöser erweiterte die Anwendungsbereiche der Kamera erheblich. Der RoBoT konnte jetzt völlig unabhängig vom Standort des Photographen eingesetzt werden oder durch Rückkopplung sich selbst auslösen.  Diese neuen Einsatzmöglichkeiten und der fast unzerstörbare und sehr zuverlässige Federwerkmotor begründeten wohl den großen Erfolg des RoBoT neben der Amateurphotographie auch in Wissenschaft und Technik.

Die vom Standort der Photographen unabhängige Einsatzmöglichkeit des RoBoT wurde auch sehr schnell von der Wehrmacht erkannt. Durch die Luftbildphotographie wurde auch der Einsatz bei der Luftwaffe getestet. Hier wurde die als “RoBoT II Luftwaffe” bekannte Kamera für die Luftaufklärung und zur Trefferkontrolle eingesetzt. Auch die alliierten Mächte USA, England auch Dänemark und Schweden erkannten den Nutzen des “Göring Eye” und beschafften sich über das neutrale Portugal größere Mengen RoBoT II von Berning.

Die Einstufung der Fa. RoBoT-Berning & Co. als “kriegswichtig” und die ersten Bombenangriffe auf Düsseldorf, zwangen Berning im Jahr 1943 auf anraten des Wehrbeschaffungsamtes zur Verlagerung der Gesamten Produktion nach Großschönau in Sachsen.

      

Dort wurden in den Gebäuden der Firma Richter&Goldberg, die heute noch erhalten sind, bis 1945 mit ca. 200-300 Beschäftigten die RoBoT Kameras weiter produziert. Insgesamt etwa 20.000 Stück lieferte Berning ans Militär. Im Betrieb in Großschönau wurden auch Kriegsgefangene Holländer und Russen eingesetzt. Die Gefangenen konnten sich auch in der Freizeit frei bewegen und wurden ausgenommen gut behandelt, was durch zwei Dankschreiben von russischen und niederländischen Gefangenen bezeugt wird. Auch die russische Schreiben sind im Original unter Zeugnis 1, Zeugnis 2 , Zeugnis 3 und Zeugnis 4 zu sehen. Diese wichtigen zeitgeschichtlichen Unterlagen wurden uns von Herrn Walter Stachelhaus, dem Sohn des Leiters der Lohnbuchhaltung und Nachkalkulation, Gustav Stachelhaus, zur Verfügung gestellt.  Herr Walter Stachelhaus ist sogar mit einem niederländischen Gefangenen in dessen Freizeit Schlittschuh gelaufen, was zeigt, daß die Gefangenen welche bei RoBoT arbeiteten, im Gegensatz zu vielen anderen Betrieben, wie Menschen behandelt wurden.

Das Zeugnis der Firma RoBoT über Gustav Stachelhaus zeigt, das nicht alle Mitarbeiter nach Kriegsende mit zurück nach Düsseldorf gingen.

Kurz nach Kriegsende verlud man die wertvollsten Maschinen, tausende von Objektiven und fast dreitausend Kameras auf 28 Eisenbahnwaggons, um in den wenig beschädigten RoBoT-Gebäuden in Düsseldorf in der Aachener Straße eine neue Produktion zu beginnen.  Einige der RoBoT Angestellten blieben jedoch in Großschönau und gründeten in den Räumen der Firma Richter und Goldberg die Firma FEMETA (Feinmechanik und Metallwarenfabrik) hier wurde unter anderem auch Schmuck hergestellt. Ein Zeugnis von 1953 beinhaltet eine Überraschung. Dieses Zeugnis wurde mit der Spezial Schreibmaschine von RoBoT geschrieben. Man sieht deutlich das hochgesetzte O mit dem Strich im Wort RoBoT. Diese Schreibmaschine hat schon lange vorher als verschollen gegolten.

Von den 1945 verladenen 28 Güterwaggon hat keiner jemals Düsseldorf erreicht. Nur zwei der Waggons wurden wiedergefunden, davon einer mit Verschlüssen, die in den Graben abgekippt waren. Alle Nachforschungen von H.H. Berning blieben erfolglos. Damit war ein sofortiger Neubeginn in Düsseldorf praktisch unmöglich gemacht und in den Schwierigen Nachkriegsjahren dauerte es immerhin bis Ende 1946, um mit der Unterstützung der englischen Besatzungsverwaltung das notwendige Material für eine erste Probeserie beschaffen zu können. Etwa ein halbes Jahr später lief die Serienproduktion an. Ende 1948 erreichte man immerhin schon eine Monatsproduktion von 850 Stück. Gefertigt wurde der mit dem Vorkriegsmodell identische Kameratyp RoBoT II.   

Noch bis 1949 wurden fast alle Geräte exportiert, um den Reparationsbedingungen der Alliierten zu entsprechen. Nur mit einem offiziellen Dringlichkeitsnachweis und viel Glück konnte man auch in Deutschland nach monatelangem Warten zu seinem RoBoT kommen. Die Nachfrage in Deutschland war so groß, dass Einzelstücke noch vor der Währungsreform mit bis zu 12.000,- Mark bezahlt wurden.

 

Fortsetzung folgt